|
| |
 |
Die zwölf rauen Nächte
Wotans Gefolge unterwegs! |
|
|
Eine besonders
wichtige Zeit sind die Tage zwischen Weihnachten und dem Dreikönigs-Fest.
Aus dreierlei Gründen. Erstens finden in dieser Zeit Weihnachten und
Neujahr statt. Zweitens sind das die zwölf rauen Nächte, die unseren
Altvorderen als besonders wichtig galten. Drittens aber, und dies ist für
Familien wichtig: Es ist die Zeit der Weihnachtsferien. |
|
|
Ein
heidnischer Brauch setzt sich bis heute durch.
Laut heidnischer
Überlieferung braust in diesen 12 Nächten Wotan, der höchste Germanengott,
mit seinem Wilden Herr durch die Luft. In seinem Gefolge sind die Seelen
der Verstorbenen, die keine Ruhe finden können.
|
 |
Die mitleidigen
Ostpreußen hatten früher einen sympathischen brauch: Während der zwölf
rauen Nächte richteten sie ein Gastzimmer her, machten das Bett, hängten
ein Handtuch über die Stuhllehne und zündeten den Ofen an. Das geschah für
den Fall, dass in Wotans Gefolge zufällig jemand aus der eigenen Familie
wäre. Der konnte dann einkehren und ein paar Nächte von der wildem Jagd
ausruhen.
|

|
In Süddeutschland –
auch bei uns im Schwäbischen - war man sich darüber klar, dass nicht nur
das wilde Heer unterwegs war, sondern auch allerlei unholdes Gesindel:
Hexen, Dämonen und anderes zweifelhafte Volk. Man war allerdings nicht
gesonnen, diese Geister, die in den zwölf Nächten ihr Unwesen trieben,
einfach gewähren zu lassen. Vor allem war es wichtig, dass sie keinen
schlechten Einfluss aufs kommende Jahr hatten. Drum war es üblich, in den rauen Nächten – vor allem aber am Jahreswechsel – fürchterlichen Krach zu
machen, um alles Böse zu vertreiben: mit Böllern, Flinten, Peitschen,
Rätschen und Kirchenglocken.
|
 |
Die Feuerwerke, die
noch heute in der Sylvesternacht abgebrannt werden, sind ein Rest dieser
Überlieferung. Wenn Sie mit Ihren Kindern am Sylvesterabend hinausgehen,
um ein paar Knallfrösche anzuzünden, brauchen Sie nicht zu befürchten,
dass Sie da einer Mode unsere lärmsüchtigen Zeit aufgesessen sind. Sie
stehen akustisch auf dem Boden uralter Tradition.
Im übrigen waren diese
zwölf Nächte und die Tage dazwischen unseren Altvorderen im schwäbischen
Raum besonders wichtig. Man nannte sie hier oft
“Losnächte“ . Das sollte bedeuten, dass die zwölf Tage und Nächte
voraussagen, war in den zwölf Monaten des kommenden Jahres geschehen wird.
Dan Bauern ging es dabei vor allem ums Wetter, denn von dem hing die Ernte
ab. So malten sie mit Kreide zwölf Kreise über die Stubentür und
zeichneten dort ein, wie der jeweilige Tag war: hell oder bewölkt, sonnig
oder mit Niederschlag. |
Anderswo nahm man die Voraussagen weit genauer. Was einem währen dieser Tage zustieß, ob gutes oder Schlechtes, hatte eine Vorbedeutung für den
entsprechenden Monat im kommenden Jahr.
Im übrigen galten für
die zwölf Tage und Nächte allerlei strenge Regeln. Man durfte nicht
waschen, vor allem aber keine Wäsche aufhängen. Denn sonst konnte es
passieren, dass man dem wilden Herr durch ein Wäschestück den Weg
verlegte. Und dann musste ein Stück Vieh sterben. Man durfte keine Stiefel
schmieren, sonst wurde Vieh krank. Im Oberamt Gerabronn tat man gut daran,
weder Nägel noch Haare zu schneiden. In Backnang sollte man nicht
dreschen, in Schwäbisch Hall keine Erbsen essen. In manchen Orten waren
die Bräuche noch strenger. In Crailsheim durfte man sich während der zwölf
Tage keine frische Wäsche anziehen, in Mergentheim sich nicht einmal die
Füße wachen.
Für manchen muss es
recht angenehm gewesen sein, wenn endlich der Dreikönigs-Tag da war. |
|