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Der Johannistag

Die Sonnenwende
 

Reise und Freizeittips im Text unter den Bildern


Sommersonnenwende – der längste Tag des Jahres – pflegt am 22. Juni stattzufinden. So jedenfalls behaupten es die Astronomen. Den meisten Leuten ist das egal. Sie feiern Sonnenwende am Johannistag. Das ist der 24. Juni – der (angebliche) Geburtstag Johannes des Täufers.


Stonehenge, England Midsommernacht Brasil Churasco SonnenWender

Es ist kein Geheimnis, warum man seinen Geburtstag listig auf jenen Tag verlegt hat. Am 24. Juni hatten die Germanen ihre Sonnwendfeier. Diese Nacht war in der Vorstellung unserer Ahnen ungemein zauberkräftig. Da waren Elfen und Zwerge unterwegs, gute und auch böse Geister. Und weil es einfach nicht gelangt, die Heidnischen Bräuche auszurotten, legte man eben einen christlichen Feiertag drauf. Johannes bot sich an. Er taufte Jesus, durfte also genau ein halbes Jahr vor ihm Geburtstag feiern: 24. Juni bis zum 24. Dezember sind es sechs Monate.
So konnte man die in der heidnischen Zeit üblichen  Sonnwendfeiern ins Christentum übernehmen – zu Ehren von Johannes. Aber es blieb genug Heidnisches übrig. Vor allem im Zusammenhang mit dem Wasser. So war es wichtig, am Johannistag die Brummen zu reinigen und, falls nötig, einen neuen Brunnenmeister zu wählen. In Rottenburg am Neckar hieß es , am Johannistag werde der Fluss wild und fordere einen Laib Brot opfere. Ebenso
gierig sah man den Bodensee: Der wolle am Johannistag ein Opfer haben. Christliches und Heidnisches ging dort so sehr durcheinander, dass man sagte: “Der Heilige Johannes verlangt einen Schwimmer“.
Andere Überlieferungen waren harmloser. An vielen Orten, auch in Württemberg, gab es Johanniskronen, die man über dem Marktplatz oder sonst in der Öffentlichkeit aufhängte. Sie waren aus Zweigen und Laub geflochten, mit Eierschnüren, Blumen, Papierrosen und Flittergold geschmückt.
In manchen Gegenden ließ man es nicht nur bei einem Festtag. In Heudorf bei Riedlingen feierte man vom 24. bis 26. , in Ringingen bei Blaubeuren bis zum 29. Juni. In vielen Orten buk man Johannisküchlein. Die hatten oft Holunderbeeren als Füllung. In Gaildorf hieß der Johannistag deshalb “Holdertag“. Diese “Holderküchlein“ aß man abends beim Feuer. Denn ohne Feuer ging es nicht – dieser urheidnische Brauch war nicht abzuschaffen. Nun brannte das Holz jetzt zu Ehren des Heiligen Johannes.
Viele deutsche Bischöfe waren im Mittelalter sehr für diese Regelung, obwohl durch solche Feuer schon mehrere Klöster abgebrannt waren. Denn die Johannis- Feuersucht wurde immer größer. Alle Welt tanzte in der Nacht um den brennenden Holzstoss – Hoch und niedrig, Arm und Reich.
Die Geschichte verzeichnet rührende Situationen, wie Fürsten schlichte Bürgerstöchter aufforderten, mit ihnen über das Feuer zu springen – und umgekehrt. Bald flackerte es in der Johannisnacht überall in Deutschland- nicht nur auf Bergen und in freier Natur, sondern auch in den Städten. Das ging weiter und wurde immer schlimmer. 1821 musste das “großherzoglich-badische Stadtamt“ in Heidelberg erklären: “Das sogenannte Johannisfeuer, welches die Kinder auf Johannistag auf den öffentlichen Straßen in der Stadt zu machen pflegen, wird auf das strengste untersagt und werden die Eltern für diesen Unfug ihrer Kinder verantwortlich gemacht“.

Inzwischen waren Johannisfeuer fast ganz eine Sache der jungen Generation geworden. So ist es noch heute: wo auf einem Berg, einem freien Feld oder einem Platz in der Nähe eines Ortes ein Johannisfeuer entzündet wird, sind es die jungen Leute, die das machen. Man singt, macht Musik und springt über das Feuer. Ehedem war das wichtig: je höher der Sprung, desto besser die Ernte.

Außerdem warf man Disteln und Unkraut ins Feuer, damit man ein Jahr lang davon verschont blieb. Mancherorts, vor allem in privaten Gruppen, sind Johannisfeuer wieder in Mode gekommen. Das ist gut so- ein schöner Brauch, sofern man nur dort Feuer macht, wo niemand etwas dagegen hat. Vielleicht finden Sie ein paar Freunde, die mitmachen? Ein nächtliches Feuer, Musik mit Gitarren, Gesang, etwas Gutes zu essen und zu trinken – Johannes der Täufer hätte nichts dagegen.      



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