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Wenn die Narren- Freiheit im Terminkalender steht

Was alljährlich am 11.11. um 11.11 Uhr beginnt und meist im Februar oder März, wohl aber immer an einem Mittwoch endet, wird je nach Region unterschiedlich benannt. Ob Fasching, Fastnacht oder Karneval – Berufsnarren und närrische Sympathisanten wissen jedenfalls, worum es geht. Nichteingeweihte hingegen verlieren hin und wieder die Orientierung beim organisierten närrischen Treiben.  


Worum geht es?
In den Hochburgen der Narretei, am Rhein, kennen wir den Kölner Karneval und unter Aussparung von Aachen und Düsseldorf die Mainzer Fastnacht. Im Südwesten nun gibt es neben den schwäbisch-alemannischen Fasnetzünften mittlerweile auch Karnevalsvereine. Im Ländle überwiegen allerdings die Fasnetzünfte, die ihren Ursprung aus der schwäbisch-alemannischen Tradition herleiten.

Aber damit noch nicht genug der Vielfalt. Jede närrische Einheit hat, ob nun im Norden oder im Süden der Republik beheimatet, einen oder mehrere Repräsentanten, denen die Narrenschar protokollgerecht zu huldigen hat. Isoliert betrachtet kann dies das so genannte Dreigestirn sein mit Prinz, Bauer und Jungfrau, oder ein Prinz allein, Prinz und Prinzessin oder ein Filderbauer.

Diese Herrschaften sind angehalten, Orden und Küsschen zu vergeben, schön und möglichst reich zu sein, im Faschingsumzug auf dem prächtigsten Wagen zu fahren, sich zujubeln zu lassen, aber ansonsten den Mund zu halten. Ihnen sowie den Narren und Narrenalesen zu Ehren verordnet der Präsident einer Karnevalsveranstaltung, meist “Sitzung“ geheißen, je nach Landstricht “ein dreifach donnerndes“ Helau, Alaaf, Tschä-Hoi, was dann auch mit einer ans frühere “Tele-Winken“ erinnernden Handbewebung vollzogen wird.

Während nun aber zum Beispiel in Köln am Rhein –oder auch in München – nur ein einziger Prinz für die gesamte närrische Zeit zuständig ist, reicht in Stuttgart selten die Bühne der Liederhalle aus, um die hoheitlichen Narren und deren Hofstaat zu empfangen. Jede Karnevalgesellschaft lässt es sich nämlich hierzulande nicht nehmen, ein eigenes Prinzenpaar zu küren und dieses jeweils bei den anderen Gesellschaften herumzureichen. Im Gefolge dieser Tollitäten befinden sich in der Regel nur ein paar Hofdamen. Dies muss Erwähnung finden, weil im Gegensatz dazu der rheinische Karneval eine Art Generalmobilmachung mit Holzgewehren “bewaffneter“ Soldateska darstellt.

So müssen sich die närrischen Hofkapellmeister in Aachen nicht selten mit dem Narhalla-Marsch die Arme lahm dirigieren. So lange, bis die blauen und roten Garden, deren Offiziere, Generäle und Generalfeldmarschälle durch die langen Reihen ihrer sich zu Ehren erhobenen Karnevalsgäste durch gewunken, und auf der meistens viel zu kleinen Bühne Aufstellung genommen haben. Dort ertönen dann nach einem dreifachen Tusch markige Kommandos und das Tanzmariechen wirft dank der Muskelkraft ihres Tanzmajors sich, die Röcke und die Beine in die Luft.

In Stuttgart verfügt ebenso jede Karnevalsgesellschaft über eine oder auch mehrere Garden, diese rekrutieren sich ebenso aus meist sehr anmutigen Mädchen, die von einer Majorin angeführt werden.

Im Unterschied zu den Narrenzünften und dem Karneval in Rio läuft im deutschen Karneval nichts ohne die Elfer- Räte, dem Präsidium einer Karnevalsgesellschaft.            

Es gibt da noch einen Unterschied des Karnevals zu den Narrenzünften, aber diesmal nicht zum Karneval in Rio: diejenigen Mitglieder der Karnevalsvereine die am Rosenmontag oder Faschingsdienstag durch die Straßen ziehen , sind immer viel zu dünn angezogen. Die Narrenzünfte hingegen, ursprünglich Winteraustreiber, haben entsprechend warme Kostüme an. Darüber hinaus schwitzt es sich besonders gut bei den Narrensprüngen, Höhepunkte alemannischer Narretei, die unter kunstvoll geschnitzten Masken ausgeführt werden.

Die schwäbisch-alemannisch Fasnet kennt die unterschiedlichsten Arten der Vermummung und vollzieht sich nach einem jeweils festgelegten Zeremoniell, das ebenso über eine lange Tradition verfügt.

Schon die Römer feierten im Winter ihre Saturnalien – zu Ehren von Saturn, dem Gott des Ackerbaus. Dabei wurde auf recht vergnügliche Weise mit Gelagen und maskierten Umzügen um eine gute Ernte im kommenden Jahr geworben. Die Alemannen übernahmen den Brauch. Aber sie machten eine ernste Sache daraus. Sobald die Tage nach der Winterwende wieder länger wurden , vermummten sie sich, legten furcht erregende Masken an und gebärdeten sich wild, um die Geister und Dämonen des Winters zu vertreiben.

Das Christentum kam und verlangte Abkehr von den heidnischen Bräuchen. In einer Anordnung des Abtes von Reichenau aus dem achten Jahrhundert heißt es: “geht nicht als Hirsche oder als alte Weiber verkleidet umher! Ihr Männer sollt keine Frauenkleider, ihr Frauen keine Männerkleidung tragen!“

Aber alte Gewohnheiten legt man nicht so schnell ab –schon gar nicht, wenn sie nebenbei noch Spaß machen. Aus den heidnisch-kultischen Bräuchen wurde mittelalterlicher Mummenschanz. Äußerlich spottete man über die alten Überlieferungen, im Grunde aber nahm man sie doch recht ernst. In manchen Städten entwickelten sich Fastnachtspiele, die regelmäßig aufgeführt wurden. Diesen “papistischen“ Sitten, den Gebräuchen der Papstanhänger, machte die Reformation in weiten Teilen des Landes ein Ende. Fasnet zu feiern, traute man sich nur noch in den katholischen Gegenden.

Dann kam die Gegenreformation und mit ihr die Zeit der Klein- und Kleinstfürstentümer. An den Höfen gingen Schauspieler und Komödianten ein und aus. Das Volk entdeckte von neuem seine Freude an Maskerade und Spiel. Die Fasnet lebte wieder auf . Im 19. Jahrhundert wurden viele Narrenzünfte gegründet, die heute noch bestehen. Damals entstanden auch viele der typischen Fasnachtsgewänder. Sie waren oft, der Armut gehorchend, aus billigsten Mittels hergestellt: aus Stroh, Schilf und klappernden Schneckenhäuschen. Dazu trug man selbstgeschnitzte Masken.

Die tollsten sechs Tage der Fasnet oder Fasnacht beginnen in Oberschwaben am “Schmotzige Dunschtig“ und enden am Fasnachtsdienstag. (Der “Schmotzige Dunschtig“ hat nichts mit Schmutz zu tun, sondern mit Schmalz, in dem man die Fasnetskrapfen  bäckt.) Da gibt es Narrenumzüge – wobei jede Stadt und Gemeinde an bestimmten Figuren und Bräuchen festhält, Kostümbälle und allerlei ortstypisches Brauchtum, wie zum Beispiel das Stockacher Narrengericht. Das gibt es seit 1315. Damals erteilte der Habsburger Erzherzog Leopold l . seinem Hofnarren Cuni von Stocken die Erlaubnis, jedes Jahr in dessen Heimatstadt Stockach ein “grobgünstiges Narrengericht“ abzuhalten. Das findet noch heute jeden Fasnachtsdienstag statt. Schon Tage vorher machen die “Laufnarren“ die Straßen unsicher. Sie bespritzen Passanten mit Wasser, verpritschen Leute, die sich ihnen in den Weg stellen oder werfen sie in den Marktbrunnen. Vorgeladene( auch hochgestellte) Personen werden, an Strohketten gefesselt, dem Gericht vorgeführt und wegen ihrer Missetaten im vergangenen Jahr verdonnert.

In Überlingen zieht zur Fasnacht das “karbatschenschellende (peitschenschwingende) Hänsele“ durch die Straßen. In Friedrichshafen regiert der Hafennarr mit seinem Tross, in Konstanz tollen am “Schmotzige Dunschtig“ abends die “Hemdenglonker“ durch die Stadt. In jeder Gemeinde, in jedem Nest ist etwas anderes los.

Es gibt eine ganze Reihe von weiteren Fasnethochburgen mit einem alljährlichen “Narrentreffen“. Angefangen in Rottweil über Schömberg, Fridingen, Tuttlingen bis hin nach Sigmaringen, um hier nur einige zu nennen, wo regelmäßig am Dreikönigstag die narren das Häs und ihre Masken zur Hand nahmen und bis zum Fasnetsdienstag ein “Tollen Treiben“ inszenieren. Maskierung, Gesichtslarve und Kleidung benennt man mit dem heute noch üblichen Mundartwort Häs. Die Maskierung wird durch Gestik, bei den Hexen durch Besen, bei anderen durch Peitschen und anderes unterstrichen. In vielen Orten spielen bestimmte Fasnetstypen eine führende Rolle wie Narro, Hänsle, Plätzle usw.

Fast jeder Ort bietet Besonderheiten in der schwäbisch-alemannischen Fasnet. Entweder durch das Aufnahmen von ortsbezogenen Sagengestalten wie in Möhringen “S´Kültelmadleile“ und die “Möhrin“ oder durch Bräuche wie ein uralter Aufnahmeritus in Sigmaringen, das “Bräuteln“. Hier werden am Fasnetdienstag alle Männer, die im Laufe des vergangenen Jahres geheiratet haben, eine silberne oder goldene Hochzeit gefeiert haben oder als bereits Verheirate neu zugezogen sind, von den Bräutlingsgesellen auf einer gepolsterten Stange dreimal um einen Brunnen herumgetragen. Als Dank hierfür werfen dann die Gebräutelten meist Süßigkeiten in die Menge.

Über verschiedene Faschingsbräuche und Kostüme geben in imposanter Weise das Narrenschopf-Museum in Bad Dürrheim und das Fasnachtsmuseum Langenstein einen Überblick.

Hier die Anschriften der Museen:

Narrenschopf-Museum

7737 Bad Dürrheim, Luisenstraße(am Kurpark)

Tel: 07726/14294

Fasnachtsmuseum Langenstein

7769 Orsingen-Nenzingen, Schloß Langenstein

Tel: 07771/2175



STRELO® Aktiv und Naturreisen, Hügelhof 97, 88634 Herdwangen Schönach, Tel 07552-935288
 Fax 07552- 935289, Email info@strelo.com, Ktnr.6029066 BLZ 60250010 KSK Waiblingen
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